Interview mit den Schleimer Brüdern

Verantwortung? – Her damit!
Rheinlandliga: Im zweiten FuPa-Winterinterview geben die Schweicher Schleimer Brüder ein Versprechen ab

Der TuS Mosella Schweich setzt auf die Jugendarbeit. Bestes Beispiel dafür ist die Fußballer-Familie Schleimer. Stephan (23) und Thomas (19) sind aus der Stammelf kaum mehr wegzudenken. Mit Lukas (16) steht schon das nächste Familienmitglied in den Startlöchern. Im Winterinterview mit FuPa-Mitarbeiter Janik Krause sprechen Stephan und Thomas Schleimer über den Trainerwechsel, besondere Spiele und gute Seelen des Vereins.

Nach einem guten Saisonstart kam nach dem siebten Spieltag der Einbruch mit acht Niederlagen in Folge. Wie erklären Sie sich den plötzlichen Leistungseinbruch?
Stephan Schleimer: Wir sind eine sehr junge Mannschaft. Mit acht oder neun A-Jugendlichen haben es in der Vorbereitung sehr junge Spieler direkt in die erste Mannschaft geschafft. Ihnen fehlt es natürlich noch an Erfahrung. Als wichtige Spieler ausfielen, mussten diese Jungs sofort aushelfen.
Thomas Schleimer: Man muss dazu sagen, dass gestandene Spieler wie Christoph Madert und Pascal Bickelmann bisher kaum spielen konnten. Auf dem Platz fehlt dann ab und an mal einer, der die junge Riege ein bisschen anführt.

 

Während dieser langen Niederlagenserie kam es zur Trennung von Trainer Dirk Fengler. Jochen Weber, früher selbst für Schweich aktiv, übernahm. Inwieweit unterscheiden sich die beiden Übungsleiter?
Thomas Schleimer: Jochen ist eher der kommunikative Trainer. Er führt viele Einzelgespräche und kommt als hauptberuflicher Lehrer eher über die menschliche Schiene auf die Spieler zu. Zudem hat er viele neue Wege eingeschlagen. Es gibt nach dem Training in der Kabine eine Eistonne zum Regenerieren. Und es liegt zum Beispiel immer Obst bereit.
Stephan Schleimer: Außerdem haben wir mit Fredrik Jörg einen Fitnesscoach, der mit uns einmal wöchentlich Stabilisationsübungen macht und die jungen Spieler körperlich weiterbringt. Und es gibt einen Mentaltrainer.

Zwischenzeitlich fehlten acht Spieler aufgrund von Verletzungen. Wie geht man als Mannschaft mit einer solchen Situation um?
Thomas Schleimer: Zu Saisonbeginn waren zum Beispiel Carsten Reis und Marc Pitsch noch fit. Da haben wir auch Mülheim-Kärlich verdient geschlagen. Wenn diese spielerisch starke Zentrale wegfällt, ist sie nur schwer zu ersetzen. Wenn dann fast nur noch A-Jugendspieler auf dem Platz stehen, wird es schon schwierig.
Stephan Schleimer: Das sehe ich auch so. Es fehlten ja außerdem noch weitere erfahrene Kräfte wie Patrick Quary, Christoph Madert oder Eugen Keller. Das war keine einfache Situation.

Angesichts nur 17 erzielter Tore drückt der Schuh vor allem im Angriffsspiel. Stephan, Sie waren mit sechs Vorlagen und zwei Treffern fast an der Hälfte aller Schweicher Tore beteiligt. Wie wichtig ist Ihnen als Offensivspieler eine solche Statistik?
Stephan Schleimer: Klar freut es mich, wenn ich dazu beitragen kann, Spiele zu gewinnen. Aber im Endeffekt zählen nur die Mannschaft und die Siege, die man zusammen einfährt. Das Wir-Gefühl steht an oberster Stelle.

Thomas, Sie sind als ,Sechser’ eher defensiv orientiert. Trotz Ihrer gerade einmal 19 Jahre schrecken Sie nicht davor zurück, auf dem Platz das Wort zu ergreifen. Woher nehmen Sie dieses Selbstvertrauen?
Thomas Schleimer: Ich war im Jugendbereich fast immer Kapitän. Als ich dann fest zur ersten Mannschaft kam, wurde ich direkt in den Mannschaftsrat gewählt. Ich würde schon sagen, dass ich der Typ Spieler bin, dem man Verantwortung auftragen kann.

 

Gibt es ein Spiel in der bisherigen Saison, das Ihnen beiden speziell im Gedächtnis geblieben ist?
Stephan Schleimer: Der 2:1-Heimsieg am dritten Spieltag gegen Mülheim-Kärlich hat gezeigt, dass wir jeden Gegner schlagen können. Wir können und werden auch die Klasse halten.
Thomas Schleimer: Man kann auch noch das 1:3 im Rheinlandpokal gegen Trier nennen. Vor mehr als 1000 Zuschauern zu spielen und zu sehen, wie Eintracht-Trainer Peter Rubeck in der Nachspielzeit zur Zeitschindung einen Spieler einwechselt, weil wir Paroli geboten haben – das war Wahnsinn.

 

Sie gehören mit 19 und 23 Jahren zum Stammpersonal. Mit Ihrem 16-jährigen Bruder Lukas trainiert bereits öfters das nächste Schleimer-Familienmitglied bei der ersten Mannschaft mit. Können Sie sich ein Schleimer-Mittelfeld vorstellen?
Stephan Schleimer: Definitiv! Ich gehe sogar davon aus, dass wir spätestens in ein bis zwei Jahren zu dritt in der ersten Mannschaft spielen werden. Ich glaube auch, dass so was nur im Verein Schweich möglich ist.
Thomas Schleimer: Vorstellen kann ich mir das auf jeden Fall. Wobei man dazu sagen muss, dass ich ab Herbst beruflich bedingt etwas kürzertreten werde. Aber es wäre auf jeden Fall schön, mal zu dritt auf dem Platz zu stehen.

 

Schweich setzt auf die Jugendarbeit. Was gefällt Ihnen an dieser Vereinsphilosophie?
Thomas Schleimer: Ich gehe nun in mein zehntes Jahr in Schweich. Ich bin damals in der D-Jugend gekommen und trainiere mittlerweile mit Andreas Junges noch die B-Junioren. Für mich ist das Größte im Fußball, wenn man ins Training fährt und weiß, dass man dort seine Freunde treffen wird.
Stephan Schleimer: Da kann ich mich nur anschließen. Generell geht es beim TuS Mosella familiär zu. Dabei denke ich zum Beispiel auch an Erna und Erwin Mertes, die das Vereinslokal betreiben und einen super Service bieten. Sie kümmern sich um alles. Die Kabinen sind sauber, es gibt für die Teams und Schiedsrichter Verpflegung. Das ist beeindruckend.

 

Wie lauten Ihre Ziele für die Zukunft?
Stephan Schleimer: In dieser Saison zählt für uns nur der Klassenerhalt. Für die nächste Saison hoffe ich, dass wir mal eine ruhigere Spielzeit im Mittelfeld der Tabelle absolvieren.
Thomas Schleimer: Auch für mich hat der Klassenerhalt oberste Priorität. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir in der Liga bleiben. Ich hoffe, dass wir die junge Mannschaft zusammenhalten können und uns peu à peu steigern. Für mich persönlich wäre es vielleicht ganz schön, ein Tor zu erzielen …

 

Quelle: fupa.net