TuS Mosella Schweich e.V. – Ein junggebliebener Traditionsverein

3. Kinder- und Jugendtag 2017

Ein junggebliebener Traditionsverein

Der TuS Mosella Schweich hat seine Sportangebote Schritt für Schritt erweitert – Fußballer bilden immer wieder Talente aus – Das Familiäre ist im Verein ganz wichtig.

Als Ausbildungsstätte von Kicker-Talenten, die es bis in den Profibereich geschafft haben, konnte sich der Turn-und Sportverein Mosella Schweich in den vergangenen Jahrzehnten in der Region Trier einen sehr guten Ruf erwerben, hat aber noch weit mehr als nur Fußball zu bieten. Mit aktuell rund 1450 Mitgliedern ist die Mosella der größte Verein in der Verbandsgemeinde Schweich an

Turnen TuS Mosella Mosella
Gerade das Kinderturnen hat bei der Mosella in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erlebt.

der Römischen Weinstraße und einer der größten des Kreises Trier-Saarburg. Besonders hervorzuheben ist dabei der hohe Anteil von Jugendlichen, der etwa 50 Prozent beträgt. Obwohl das Turnen als älteste Abteilung bereits 117 Jahre und die Fußballabteilung auch schon 99 Jahre alt ist, hat sich der Verein im Laufe der Zeit auch immer wieder aktuellen Trends zugewandt: Mit derzeit elf Abteilungen (Badminton, Basketball, Fußball, Gesundheitssport, Herzsport-/Coronargruppe, Karate, Leichtathletik, Tennis, Tischtennis, Turnen und Volleyball) hat sich die Mosella zu einem modernen Freizeit- und Breitensportverein entwickelt.

Dass aber auch etwa das mitunter als antiquiert geltende Turnen attraktiv ist, beweisen die jüngsten Trends in Schweich: Momentan zählt alleine diese Abteilung 300 Mitglieder. Vor knapp drei

Jahren waren es gerade 39. Schritt für Schritt hat der Verein neue Angebote geschaffen und diese auch intensiv beworben. Seit Oktober vergangenen Jahres wird sogar Leistungsturnen angeboten. Das Aushängeschild ist und bleibt indes die Fußballabteilung. Die erste Mannschaft selbst war zuletzt von 2010 bis ´16 in der Rheinlandliga vertreten.

B-Junioren spielen in der Regionalliga

Geleitet wird der Traditionsverein von Männern, denen nachhaltiges Wirken, Verantwortung und soziales Bewusstsein besonders wichtig sind. „Auch wir haben gerne den Erfolg. An oberster Stelle stehen aber in unserem Verein das Familiäre und das Gemeinschaftsgefühl. Auch soll jeder bei uns Fußball spielen können, egal, wie gut er ist“, unterstreicht Mosella-Urgestein Bernd Münchgesang. Gut zwei Jahrzehnte war er bereits zweiter Vorsitzender, hatte sich dann eigentlich schon von offiziellen Ämtern zurückgezogen. 2014, als sich keiner fand, der die Clubführung übernehmen wollt wählen.

Seine große Erfahrung kann der pensionierte Grundschullehrer gerade im Fußball einbringen: 20 Nachwuchsmannschaften zählt die eigenständige und damit nicht auf einen JSG-Partner angewiesene Mosella. Von der Abis zur C-Jugend ist man jeweils mindestens in der Rheinlandliga vertreten, mit den B-Junioren seit dieser Spielzeit sogar in der Regionalliga Südwest. Zudem gehen drei Seniorenteams an den Start; die erste Mannschaft spielt in der zweiten Saison in der Bezirksliga und momentan hier ganz oben mit, die zweite in der Kreisliga A und die dritte in der C-Klasse. Ein Altherrenteam darf auch in Schweich nicht fehlen.

So sehr sie bei der Mosella etwa stolz auf die B-Junioren sind, die sich nun in Ligaspielen mit großen Namen wie dem 1. FC Kaiserslautern, dem 1. FSV Mainz 05 dem 1. FC Saarbrücken, der TuS Koblenz oder auch dem nur wenige Kilometer entfernten SV Eintracht Trier 05 messen können, so sehr wurde im Vorfeld der Saison das Pro und Contra sorgsam abgewogen. „Der Jupp und ich waren eher die Bremser“, lacht Münchgesang und erntet zustimmendes Kopfnicken von Fußball-Abteilungsleiter Josef Rohr, der fast ununterbrochen seit seiner Jugendzeit zunächst als Aktiver und dann als Verantwortlicher der Mosella treu geblieben ist und ein weiteres Beispiel für die große Kontinuität im Verein ist.

Mosella
Der Fußball hat schon viele Höhepunkte in Schweich erlebt. Abteilungsleiter Josef Rohr (l.) und Vorsitzender Bernd Münchgesang belegen das mithilfe von Bildern und Dokumenten im Vereinsheim.

Erst, als die Mehrkosten, welche vor allem durch die weiten Fahrten quer durch Rheinland-Pfalz und ins Saarland entstehen, durch Sponsoren abgedeckt waren, gab die Vereinsführung grünes Licht und meldete tatsächlich das Mosella-Team für die zweithöchste deutsche Jugendspielklasse an. Und wer weiß – vielleicht ist im Team von Trainer Andreas Junges ja auch wieder ein Talent dabei, das es bis in den bezahlten Fußball oder zumindest in das Nachwuchsteam eines Profivereins packt. So, wie zuletzt im vergangenen Winter Lukas Schleimer, der zu den A-Junioren des 1. FC Nürnberg wechselte. Den Weg zum neunfachen Deutschen Meister nach Franken fand in diesem Sommer Vincent Boesen, der zuvor bei Eintracht Trier spielte, aber zuvor auch auf der im Sommer 2015 erneuerten, vereinseigenen Kunstrasenplatzanlage am Winzerkeller ausgebildet wurde. Die Liste lässt sich mit Luca Sasso-Sant (zwischenzeitlich bei Eintracht Braunschweig und beim Bonner SC, jetzt wieder Eintracht Trier), Sebastian Zimmer und Asmeron „Sammy“ Habte (einst bei Eintracht Trier mit einem Zweitligaeinsatz), Robin Garnier (fand im Sommer den Weg von Eintracht Trier zu den Stuttgarter Kickers), Jonas Raltschitsch (später bei Mainz 05 in der Jugend und jetzt beim TSV Schott) und eigentlich auch Dominik Kohr fortsetzen. Der amtierende U21-Europameister und Bayer-Leverkusen- Rückkehrer machte seine Anfänge in der damals noch existierenden Jugendspielgemeinschaft Schweich und hatte einen Spielerpass auf den TuS Issel.

Das vom Vorsitzenden Münchgesang hoch gehaltene Familiäre und der Zusammenhalt haben auch und gerade auf die jüngere Generation eine große Strahlkraft. Mit seinen 32 Lenzen ist Harald Emmrich bereits zweiter Vorsitzender, will „dem Verein ein Stück weit das zurückgeben, was mir in all´ den Jahren hier Gutes wiederfahren ist“. Sein verstorbener Vater Günter war sogar Träger der Goldenen Ehrennadel des Fußballverbandes Rheinland „Harry hat die Mosella-Gene geerbt“, ist Clubchef Münchgesang überzeugt. Das Steckenpferd des langjährigen Torwarts der Mosella ist die Öffentlichkeitsarbeit.

Bundesweiter Preis für digitales Engagement

Karate
Als eine von elf Abteilungen hat auch Karate einen festen Platz im Verein.

Ob Mosella-App, Soziale Netzwerke, die eigene Homepage oder das Stadionheft: Der Verein ist präsent und transparent. Zudem hat Emmrich, der vor wenigen Wochen an die Stelle des verstorbenen Friedbert Beckinger gerückt ist, so ganz nebenbei auch noch frischen Schwung in die Abteilung Turnen gebracht. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Münchgesang konnte Emmrich vor rund einem Jahr in Mannheim auch einen Preis der Sepp-Herberger-Stiftung entgegennehmen. In der Kategorie „Fußball digital“ landete man dank der vielfältigen Aktivitäten im Online- und Printbereich bundesweit auf dem dritten Platz. Nochmal mehr als ein Jahrzehnt jünger als Emmrich ist Henk Stoffel (19). Der Spieler des TuS Mosella II absolviert seit Kurzem ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) im Verein. Generationenübergreifendes Handeln ist im Verein keine leere Worthülse, sondern Praxis: FSJler Stoffel bringt sich so auch in der Kooperation mit Kindergärten und Schulen ein. Rentner und Pensionäre wiederum engagieren sich in dem vor rund zwei Jahren gegründeten Seniorenclub: Ein Dutzend Helfer erledigt Arbeiten auf und an der Sportanlage, hat so auch den Eingangsbereich mit dem Kassenhäuschen wieder auf Vordermann gebracht.

Gemeinsamer Treffpunkt nach getaner Arbeit, dem Training und nach den Spielen ist das Mosella-Stübchen auf der Sportanlage. Beim Wirte-Ehepaar Erna und Erwin Mertes laufen die Fäden zusammen, hier dauert die dritte Halbzeit nicht selten (bedeutend) länger als das Geschehen zuvor auf dem Platz …

 

Text: Andreas Arens