Bericht über unsere Abteilung Fußball im Magazin “Fußball im Rheinland”

Fußball im Rheinland - In familiärer Atmosphäre entwickeln sich Talente

Bericht im Magazin Fußball im Rheinland – Kategorie: Vereine im Rheinland – Autor: Andreas Arens

In familiärer Atmosphäre entwickeln sich hier die Talente

Gemeinschaftsgefühl steht beim TuS Mosella Schweich e.V. an erster Stelle

Als Ausbildungsstätte von Talenten, die es bis in den Profibereich geschafft haben, konnte sich der Turn-und Sportverein Mosella Schweich

in den vergangenen Jahrzehnten in der Region Trier einen guten Ruf erwerben. Die erste Mannschaft selbst war zuletzt von 2010 bis ´16 in der Rheinlandliga vertreten. Geleitet wird der Traditionsverein von Männern, denen nachhaltiges Wirken, Verantwortung und soziales Bewusstsein besonders wichtig sind. „Auch wir haben gerne den Erfolg. An oberster Stelle stehen aber in unserem Verein das Familiäre und das Gemeinschaftsgefühl. Auch soll jeder bei uns Fußball spielen können, egal, wie gut er ist“, unterstreicht Mosella-Urgestein Bernd Münchgesang. Gut zwei Jahrzehnte war er bereits zweiter Vorsitzender, hatte sich dann eigentlich schon von offiziellen Ämtern  zurückgezogen. 2014, als sich keiner fand, der die Clubführung übernehmen wollte, ließ er sich dann nochmal zum Vorsitzenden wählen. Der heute 72-Jährige ist nicht nur Ehrenmitglied seines Vereins, sondern auch des Fußballverbandes Rheinland: Über ein Jahrzehnt hinweg war er ab 1995 unter anderem Vorsitzender des FVR-Ausschusses (ab 2010 der Kommission) Freizeit- und Breitensport, Leiter der FVR-Kommission Inklusion und Mitglied der DFB-Kommissionen Schulfußball und Qualifizierung.

Fußball im Rheinland - In familiärer Atmosphäre entwickeln sich Talente
Die Mosella blickt auf eine lange Fußballtradition zurück – wie zahlreiche Zeitungsartikel und Bilder im Vereinsheim beweisen (links: Josef Rohr, rechts: Bernd Münchgesang). Unter anderem gab es 1961 vor Tausenden von Zuschauern ein DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Saarbrücken. 1967/68 war die Mosella außerdem eine Saison lang in der damals drittklassigen Rheinlandliga vertreten

Seine große Erfahrung kann der pensionierte Grundschullehrer in einem breitgefächerten Verein einbringen: Elf Abteilungen mit insgesamt rund 1450 Mitgliedern umfasst der Turn- und Sportverein Mosella, ist damit der größte Club in der Verbandsgemeinde Schweich und neben dem Postsportverein Trier und dem FSV Trier-Tarforst unter den drei größten im gesamten Kreis Trier-Saarburg zu finden. Aushängeschild des 1901 gegründeten Clubs ist und bleibt die Fußballabteilung – die mehr denn je floriert: 20 Nachwuchsmannschaften zählt die  eigenständige und damit nicht auf einen JSG-Partner angewiesene Mosella. Von der A- bis zur C-Jugend ist man jeweils mindestens in der Rheinlandliga vertreten, mit den B-Junioren neuerdings sogar in der Regionalliga Südwest. Zudem gehen drei Seniorenteams an den Start; die erste Mannschaft spielt in der zweiten Saison in der Bezirksliga, die zweite in der Kreisliga A und die dritte in der C-Klasse. Ein Altherrenteam darf natürlich nicht fehlen.

Kräftemessen mit den Großen

So sehr sie bei der Mosella etwa stolz auf die B-Junioren sind, die sich nun in Ligaspielen mit großen Namen wie dem 1. FC Kaiserslautern,

dem 1. FSV Mainz 05 dem 1. FC Saarbrücken, der TuS Koblenz oder auch dem nur wenige Kilometer entfernten SV Eintracht Trier 05 messen können, so sehr wurde im Vorfeld der Saison das Pro und Contra sorgsam abgewogen. „Der Jupp und ich waren eher die Bremser“, lacht Münchgesang und erntet zustimmendes Kopfnicken von Fußball-Abteilungsleiter Josef Rohr, der fast ununterbrochen seit seiner Jugendzeit zunächst als Aktiver und dann als Verantwortlicher der Mosella treu geblieben ist und ein weiteres Beispiel für die große Kontinuität im Verein ist.

Erst, als die Mehrkosten, welche vor allem durch die weiten Fahrten quer durch Rheinland-Pfalz und ins Saarland entstehen, durch Sponsoren abgedeckt waren, gab die Vereinsführung grünes Licht und meldete tatsächlich das Mosella-Team für die zweithöchste deutsche Jugendspielklasse an.

Fußball im Rheinland - In familiärer Atmosphäre entwickeln sich Talente
Besonders stolz sind sie bei der Mosella auf die B-Junioren, die in dieser Saison in der Regionalliga Südwest an den Start gehen.

Und wer weiß – vielleicht ist im Team von Trainer Andreas Junges ja auch wieder ein Talent dabei, das es bis in den bezahlten Fußball oder zumindest in das Nachwuchsteam eines Profivereins packt. So, wie zuletzt im Winter Lukas Schleimer, der zu den A-Junioren des 1. FC Nürnberg wechselte. Den Weg zum neunfachen Deutschen Meister nach Franken fand in diesem Sommer Vincent Boesen, der zuvor bei Eintracht Trier spielte, aber zuvor auch auf der im Sommer 2015 erneuerten, vereinseigenen Kunstrasenplatzanlage am Winzerkeller ausgebildet wurde. Die Liste lässt sich mit Luca Sasso-Sant (zwischenzeitlich bei Eintracht Braunschweig und beim Bonner SC, jetzt wieder Eintracht Trier), Sebastian Zimmer und Asmeron „Sammy“ Habte (einst bei Eintracht Trier mit Zweitligaeinsätzen), Robin Garnier (fand im Sommer den Weg von

Eintracht Trier zu den Stuttgarter Kickers), Jonas Raltschitsch (später bei Mainz 05 in der Jugend und jetzt beim TSV Schott) und eigentlich auch Dominik Kohr fortsetzen. Der amtierende U21-Europameister und Bayer-Leverkusen-Rückkehrer machte seine Anfänge in der damals noch existierenden Jugendspielgemeinschaft Schweich und hatte einen Spielerpass auf den TuS Issel.

Das vom Vorsitzenden Bernd Münchgesang hoch gehaltene Familiäre und der Zusammenhalt hat auch und gerade auf die jüngere Generation eine große Strahlkraft. Mit seinen 31 Lenzen ist Harald Emmrich bereits zweiter Vorsitzender, will „dem Verein ein Stück weit das zurückgegen, was mir in all´ den Jahren  hier Gutes wiederfahren ist“. Sein verstorbener Vater Günter war sogar Träger der Goldenen DFB-Ehrennadel und Ehrenmitglied im Verein. „Harry hat die Mosella-Gene geerbt“, ist Clubchef  Münchgesang überzeugt. Das Steckenpferd des  langjährigen Torwarts der Mosella ist die Öffentlichkeitsarbeit. Ob Mosella-App, Soziale Netzwerke, die eigene Homepage oder das Stadionheft: Der Verein ist präsent und transparent. Zudem hat Emmrich, der vor wenigen Wochen an die Stelle des verstorbenen Friedbert Beckinger gerückt ist, so ganz nebenbei auch noch frischen Schwung in die Abteilung Turnen gebracht. Diese hat ihre Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren fast versechsfacht und zählt jetzt rund 270 Aktive.

Bundesweiter Preis

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Münchgesang konnte Emmrich zu Jahresbeginn in Mannheim auch einen Preis der Sepp-Herberger-Stiftung entgegennehmen. In der Kategorie „Fußball digital“ landete man dank der vielfältigen Aktivitäten im Online- und Printbereich bundesweit auf dem dritten Platz.

Nochmal mehr als ein Jahrzehnt jünger als Emmrich ist Henk Stoffel (19). Der Spieler des TuS Mosella II absolviert seit Kurzem ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) im Verein. „Nach dem Abitur ging es mir darum, ein Findungsjahr einzulegen und mich ehrenamtlich zu engagieren.  Ob als Jugendbetreuer, in der Mitgliederverwaltung, bei der Sportplatzpflege oder bei  vielen anderen Aktivitäten kann ich hier noch viel fürs Leben lernen und dem Verein auch etwas von dem zurückgegen, was ich als Jugendspieler erfahren durfte“, bekennt Stoffel.

Fußball im Rheinland - In familiärer Atmosphäre entwickeln sich Talente
Henk Stoffel (vorne) ist nach Sven Hoffmann der zweite FSJler in der Vereinsgeschichte der Mosella. Eng arbeitet er auch mit dem zweiten Vorsitzenden Harald Emmrich (hinten) zusammen.

Generationenübergreifendes Handeln ist im Verein keine leere Worthülse, sondern Praxis: FSJler Stoffel bringt sich so auch in der Kooperation mit Kindergärten und Schulen ein. Rentner und Pensionäre wiederum engagieren sich in dem vor rund zwei Jahren gegründeten Seniorenclub: Ein Dutzend Helfer erledigt Arbeiten auf und an der Sportanlage, hat so auch den Eingangsbereich mit dem Kassenhäuschen wieder auf Vordermann gebracht.

Gemeinsamer Treffpunkt nach getaner Arbeit, dem Training und nach den Spielen ist das Mosella-Stübchen auf der Sportanlage. Beim  Wirte-Ehepaar Erna und Erwin Mertes  laufen die Fäden zusammen, hier dauert die dritte Halbzeit nicht selten (bedeutend) länger als das Geschehen zuvor auf dem Platz …

2019 steht ein großes Fest an, wenn die Fußballabteilung der Mosella auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Obwohl sie sich sportlich partout nicht unter Druck setzen, räumen die Mosella-Verantwortlichen aber doch ein, dass „dann der Wiederaufstieg in die Rheinlandliga eine schöne Sache wäre“.

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Ihre Erfahrung als langjährige Funktionäre geben Abteilungsleiter Josef Rohr und Vorsitzender Bernd Münchgesang (von links) an die nächste Generation mit Harald Emmrich (2.v.r.) und FSJler Henk Stoffel gerne weiter.

 

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